lextraordinary in fashion - with a special dash of lexa







lexa is a freelance fashion editor based in hamburg, germany.


Twitter Buttons




Flair

ilovehh

adidas news for original girls






Tagged
Fräulein Magazin


Stupides Teilen nicht eigens erdachter Inhalte? Nicht mit mir! Bisher zumindest. Heute muss ich eine Ausnahme machen und eines, nein, lasst mich klotzen, das beste Editorial einer aktuellen Magazin-Ausgabe kommentarlos veröffentlichen, da es mich einfach umgehauen hat.

Zu einer Zeit, in der beinah’ jeder darauf bedacht ist, “Atom-Kraft-Nein-Danke” zu propagieren, aber selbst keinen Ökostrom zu konsumieren; in Momenten, in denen “Occupy” mehr wert sein soll(-te?), als das bloße “antikapitalistische Dagegensein” und Börsen- wie Banksysteme-Niederreißen. In dieser Situation, bin ich Götz Offergeld für sein aktuelles Fräulein #4-Editorial dankbar, das mir so treffend wie wahrhaftig erscheint, als dass ich um ein schnödes Zitat des Abtippens nicht umhin komme. Merci, Fräulein!

" […]


Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe mich entschieden, Ihnen heute eine Moralpredigt zu halten.

Voreinigen tagen, als ich mit Freunden zusammensaß, entwickelte sich der Abend, wie sich meistens die Abende so nach dem einen oder anderen Glas Wein entwickeln: man spricht erst über klatsch und Tratsch, alte gemeinsam erlebte Heldentaten und beziehungen. Wie immer ist es unausweichlich, dass die Politik und das Weltgeschehen in das Gespräch einziehen. Und auch hier bleibt alles wie immer: Empörung und Unverständnis über unsere politiker und deren Taten.

Dies führt dann dazu, dass die meisten in der Runde Ideen und gute Ratschläge haben, was man wie besser machen kann und warum. Oft ist es dann leider so, dass diese Ideen unserem demokratischen System widersprechen und nicht über das Niveau eines gewöhnlichen Thekengesprächs hinausreichen.

Es hält irgendwann Ratlosigkeit Einzug, und man stellt sich die Frage, was wir denn überhaupt tun können, angesichts der ganzen Probleme in der Welt? Was können wir tun gegen einen amerikanischen Ex-Präsidenten, der uns aufgrund seiner Lügen in einen Krieg führt und unschuldige Menschen sterben lässt? Was gegen einen türkischen Premier, der die Gunst der stunde nutzen will, um sich und sein Land zu profilieren und deshalb den israelischen Botschafter aus seinem land ausweist? Was kann man dagegen tun, dass der russische Ministerpräsident damit davonkommt, Gesetze nach Belieben ändern zu lassen, damit er weiter an der Macht bleiben kann? Und dass der italienische Präsident so viele Prozesse führt, dass er keine Zeit mehr zum Regieren hat und sein Land dadurch geradewegs in den Ruin treibt? Was können wir dagegen tun, dass eine Bank, von der wir in unserem Leben nie etwas gehört hatten, durch ihre Misswirtschaft und Selbstbereicherung die ganze welt in die größte Finanzkrise seit jahrzehnten stürzt? Was können wir gegen all diese Dinge tun? Die Antwort ist, denke ich, relativ simpel: nichts!

Wir können nichts gegen das große Ganze tun, aber jeder Einzelne von uns kann trotzdem etwas bewirken. Damit meine ich nicht, dass wir Vereine gründen, charity-Events veranstalten oder jede woche auf emos laufen sollen. Ich rede über viel kleinere Dinge. Es ist wichtig, auf Demos gegen atomkraft zu gehen, aber wenn zur gleichen Zeit unser Geld auf dem Konto einer Bank liegt oder in Fonds investiert wird, die wir nur nach dem gößtmöglichen Profit ausgesucht haben, bringt unser Protest nichts. Denn während wir auf der Straße protestieren, wird unser Geld eventuell zur gelichen Zeit in atomkraft investiert. Oder unser Geld liegt bei der Deutschen Bank, und während wir Anti-Kriegsreden schwingen, investiert die es in Firmen, die Streubomben herstellen!

Es geht also mehr darum, dass wir mehr darauf achten sollten, was wir wo uns wie mit unseren Handlungen wirklich bewirken. Und da ist es das Wichtigste, im Kleinen zu agieren, nämlich bei dem, was einen direkt betrifft. Es ist wichtig, dass wir - so altmodisch es auch klingt - im Alltag nach moralisch-ethischen prinzipien handeln. Wir müssen lernen, dass es besser ist, genau zu wissen, was unsere Bank mit unserem Geld macht udn nur dieser Bank unser Geld zu geben, die in Geschäfte investiert, die wir mit uns und unseren wertvorstellungen vereinbaren können. Auch wenn das heisst, dass wir deshalb auf ein oder zwei Prozent Rendite verzichten müssen. dass wir zu kleineren Geldinstituten gehen, dass wir produkte kaufen, deren Herkunft wir kennen oder bei denen wir wissen, wie der Konzern, der sie herstellt oder vertreibt, seine Geschäfte führt. Dass man seinen urlaub in das ein oder andere land nicht antritt, weil man sonst damit eine regierung unterstützt, die für werte steht, die man an einem dieser Abende bei ein paar Gläsern Wein auf das Schärfste verurteilt.

Sicherlich ist es nicht immer einfach, die Gesamtkomplexität der Dinge zu durchschauen. Trotzdem sollten wir öfter mal auf Nummer sicher gehen, uns informieren udn im Zweifelsfall verzichten. Ich glaube, wenn wir das tun, können wir vieles zum Positiven verändern.”

Ahoi, Montagsgruß à la Offergeld. Auf dass Du in dieser Welt viele weibliche wie männliche “Fräulein’s" findest, die diesen Gedanken teilen und in der sie umgebenden Welt verbreiten!

05:29 pm, by lextraordinary8 notes Comments